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die qualitätsoffensive im sportjournalismus

16. Februar 2008

The stories they don’t want you to tell

Andrew Jennings interessiert sich nicht für Sport, zumindest nicht für Ergebnisse oder Entwicklungen des Spiels. Ihn interessieren nur die Regeln – der Funktionäre und Organisationen. Wer gegen sie verstößt, etwa weil er korrupt ist,
bekommt Schwierigkeiten. Mit Mr. Jennnings.

aj-playthegame2005.jpgAndrew Jennings ist einsam. Weil er nicht zur großen Fußball-Familie gehören darf, wie Joseph Blatter seine Fifa gerne bezeichnet. Weil er im Schmutz wühlt, um Fakten an die Öffentlichkeit zu bringen, die alle in der Fifa gerne für sich behalten würden. Schließlich regelt eine Familie ihre Probleme auch intern. Jennings interessiert sich dafür, was abseits der Presseerklärungen zu erfahren ist. “Die Pressekonferenzen der Fifa dienen nur dazu, dass die Funktionäre Botschaften ihrer Schönredner und PR-Berater verlesen, die einzig dazu dienen, die Journalisten abzulenken”, sagt Jennings.

Seine weitere Wortwahl ist drastisch, nicht zitierfähig. Oft fällt das F-Wort. Sehr oft. Jennings hat kein gutes Wort für die Funktionäre übrig. Die mittlerweile seit sechs Jahren gültige Sperre für Pressekonferenzen hat er aber nicht seinen Flüchen, sondern seinen Enthüllungen zu verdanken. Etwa seinem Buch “Foul!” über die korrupten Machenschaften der Fifa, deren Funktionäre Schmiergeld einer dubiosen Sportmarketing-Firma ISL angenommen hatten.

In der Schweiz ist es nicht erschienen, auch wenn es gerade in Zürich und Lausanne viele lesen sollten, in China auch nicht. Und selbst in Deutschland war es unmöglich, einen Verlag zu finden. Bloß nichts Kritisches. Bitte nicht im Jahr der Fußballweltmeisterschaft. Im März 2008 beginnt in der Schweiz immerhin ein Prozess, der für einige die ersten unangenehmen Folgen haben könnte. Auch beim Internationalen Olympischen Komitee gab es dank seiner Recherchen, die er in zwei Büchern veröffentlichte, einigen Aufruhr.

Warum Sponsoren keine “Partner” sein dürfen

Was IOC und Fifa verbindet, ist die immer stärkere Abhängigkeit von Sponsoren. “Das IOC ist bereit, Doping in Kauf zu nehmen, damit es mehr Weltrekorde gibt. Das steigert die Fernseheinnahmen und freut die Sponsoren.” Die Distanz ist schon lange dahin. Nicht umsonst werden die Sponsoren “Partner” genannt, damit ihre Interessen nicht ganz so eindeutig anmuten. Beispiel gefällig? Ein Zitat des IOC-Präsidenten Jacques Rogge: “McDonald’s hat die olympische Bewegung mehr als dreißig Jahre lang unterstützt und wir teilen viele Ideale. Wir sind glücklich, das McDonald’s die Olympischen Spiele ausgewählt hat und in Turin zum ersten Mal Nährwertinformationen auf seinen Packungen präsentieren wird. Eine tolle, passende Bühne.” Jennigs fragt sich da nur, ob Rogge diesen “Mist” wirklich gesagt hat. Und ob er diesen “Mist” wirklich isst.

Was Jennings sich wünscht ist ein realistischer Umgang mit Peking 2008. Auch einen Blick darauf, wie Marken mit ihrer Berichterstattung ihre “dreckigen Geschäfte” ausweiten. Aber auch einen genauen Blick auf Doping. Und auf die Funktionäre des IOC. Ebenso wie auf die Funktionäre der Fifa bei der EM in der Schweiz und Österreich. Heimspiel sozusagen. Dann könnte man ja alle gleich dabehalten, anklagen und einsperren.

Apropos einsperren. Jennings bezieht eindeutig Position, wenn es um die Frage geht, ob Journalisten den Ermittlungsbehörden brisante Dokumente überlassen sollten. “Natürlich, wenn der Vermittler vertrauenswürdig ist. Ich bin Teil einer Gesellschaft und möchte, dass jeder, der diese Gesellschaft betrügt, auch eine Strafe dafür bekommt. Und wenn ich mit meinen Recherchen dazu beitragen kann, habe ich ein weiteres Ziel meiner Arbeit erreicht.” Und, ganz nebenbei, gibt es auch einiges, was man als Journalist im Gegenzug von den Ermittlern bekommt.

Andrew Jennings, Jahrgang 1943, ist investigativer Journalist, Autor und Filmemacher und lebt in Penrith/England. Er hat sich weltweit in den unterschiedlichsten Publikationen mit Themen der Sportpolitik und des organisierten Verbrechens auseinandergesetzt. Andrew Jennings arbeitet viele Jahre für die BBC, später erstellte er Nachrichtensendungen für Granada TV, u. a. eine 1990 beim New Yorker TV-Festival preisgekrönte Dokumentation über britische Verwicklungen in die Iran-Contra-Affäre. Seine Enthüllungsbücher über das Internationale Olympische Komitee wurden zu Standardwerken der Sportpolitik und zu Bestsellern: “The Lords of the Rings” (1992); “The New Lords of the Rings – Olympic Corruption & How To Buy Gold Medals” (1996); “The Great Olympic Swindle” (2000).

Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der 1999 von der Vereinigung OATH verliehene Preis für Integrität im Journalismus sowie der Royal Television Society Award 2000 für eine Olympia-Dokumentation bei Channel Four. Zuletzt erhielt er 2007 die Auszeichnung “Football Writer of the Year” der Football Supporters Federation.

Andrew Jennings arbeitet als Reporter, Producer, Moderator sowie Ratgeber für internationale Medien und lehrt Techniken des investigativen Journalismus an Universitäten und weltweit in diversen Medienorganisationen. Im Mai 2006 erschien “FOUL!”, sein Buch über den Fußball-Weltverband Fifa, über den er seit 2006 in der BBC auch drei Dokumentationen produziert hat, u. a. im investigativen Programm Panorama.

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  1. Feb 20, 2008: How to get the documents they don’t want me to see? : sportnetzwerk

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