sportnetzwerk

die qualitätsoffensive im sportjournalismus

6. Februar 2006

Reaktionen auf die Gründung des sportnetzwerks

Eine kleine Auswahl von Reaktionen aus den ersten Wochen der vom sportnetzwerk angestoßenen journalistischen Qualitätsdiskussion:

“Der deutsche Sportjournalismus ist überfordert, so scheint es mir. Die explosionsartige Vermehrung der TV-Sender und Privatradios hat einen Qualitätsabfall im Sportjournalismus ausgelöst. Es drängen immer mehr Untalente an die Mikrophone und vor die Kameras. Die ‘Alten’, die Kundigen, die Gelernten beginnen, sich zu verabschieden. Wer bestimmt, wer nachkommt? Rudi Michel, Harry Valerien haben keine Lehrämter, sind keine Professoren. Mir scheint, dass die für den Fernsehalltag verantwortlichen Damen und Herren die Situation nicht übersehen, oder, was noch schlimmer wäre, sie nicht ernst nehmen. Wie kann es sein, dass der Sport immer mehr Sendezeit bekommt, aber denen, die sie vergeben, gar nicht auffällt, dass sie nicht sinnvoll genutzt wird? Sprechen kann man lernen. Sogar denken kann man lernen. Sprecher, denen man gern zuhört, weil man spürt, dass sie sich dabei etwas denken, sollten auch im Sport eine Chance haben. Ein sportnetzwerk, das solche Gedanken anschiebt, ist schon lange überfällig.”
Dieter Hildebrandt, München, 10.01.2006

“Ich finde das großartig, was da in Gang zu kommen scheint und begrüße eine derartige Rückbesinnug auf unsere eigentlichen Aufgaben sehr. Als langjähriges VDS-Mitglied,der allerdings einmal schon für ein Jahr ausgetreten war, um dann doch wieder einzutreten,weil es einfach keine Alternative gab, hoffe ich dennoch zunächst einmal,dass man sich kollegial verständigen kann und problemorientiert  und bitte nicht personenbezogen diskutiert.”
Günther Koch, Nürnberg, 25.01.2006

“Es ist immer verführerisch von der scheinbaren Banalität der vergänglichen Tagesnachrichten des Sports auf die Leichtigkeit seiner Präsentation zu schließen. Deshalb begrüße ich die Initiative des sportnetzwerks und verspreche mir davon unter anderem einen Wissenschaftsjournalismus, der sich dort herausgefordert fühlt, wo es nicht nur um das Bedienen wechselseitiger Eitelkeiten und Privatismen geht, sondern auch Zusammenhänge und Hintergründe zum Thema werden können, die gestern relevant waren oder dies vielleicht erst morgen werden. Meine Mitwirkung an einem solchen Vorhaben sage ich gern zu.”
Prof. Dr. Elk Franke, Humboldt-Universität zu Berlin, 18.01.2006

“Der seriöse und hintergründige Sportjournalismus droht in Deutschland im Sog einer ungebremsten Kommerzialisierung und unter dem Diktat der Unterhaltung zu einer aussterbenden Disziplin zu werden. Das Signal zur Rückbesinnung auf journalistische Tugenden ist längst überfällig.”
Thomas Leif, Vorsitzender des Vereins Netzwerk Recherche, 04.01.2006

“Ihre Initiative in Sachen sportnetzwerk kann ich nur unterstützen. Daß es bis auf wenige Ausnahmen keinen kritischen Sportjournalismus mehr in Deutschland gibt, dagegen die opportunistisch-peinliche Berichterstattung über den Sport inflationär zugenommen hat, stimmt mich schon seit Jahren ziemlich traurig. Insbesondere die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten kommen ihrem Auftrag nicht mehr nach, weil auch sie nur noch nach Einschaltquoten schielen und darüber ihr Aufklärungsgeschäft in einer völlig unprofessionellen Weise vernachlässigen. Wer kritisch-konstruktiv über den Sport berichten möchte, kann dies momentan nur in einigen wenigen Zeitungen oder im Radio tun. Es wird zuwenig in den Medien über die Medien berichtet, und das scheint mir der blinde Fleck zu sein, der zu Ihrer Initiative geführt hat. Viel Glück für Sie und Ihre Kollegen/innen.”
Professor Dr. Karl-Heinrich Bette, TU Darmstadt, 04.01.2006

“Wenn sich Sportjournalisten von der großen Masse im Kompromiss- und Traditionswirrwarr steckender Berufsverbandskollegen lossagen, um eigene Wege zu gehen, kann ich nur applaudieren. Ich hoffe, Ihre Initiative trägt dazu bei, im besten aufklärerischen Sinne den Filz Sport-Medien-Kommerz-Politik stärker durchzuwalken. Die Zeit dafür ist reif, nicht etwa weil Popkulturphrasen wie ‘investigativer Journalismus’ ganz gut im Kurs stehen oder in diesem Jahr eine Fußball-WM in Deutschland ausgetragen wird, sondern weil das nüchterne, anständige Journalistenhandwerk offensichtlich in die Bredouille geraten ist. PR-Einfluss, Quotenhascherei, Medienkrise, Boulevardisierung und die paranoid zunehmende Besetzung von Chefredakteurs- und Ressortleiterposten mit redaktionellen Managern haben ein unerträgliches Maß erreicht. Als Medienredakteur bekomme ich das ganz gut mit. Innerhalb der Ressortfamilie steht der Sport ganz sicher besonders häufig Pate für unreflektierte, launige Ergebnisberichterstattung – weitgehend frei von Recherche. Jeder Journalisteninitiative, die Leser, Hörer und Zuschauer als mündige Bürger Ernst nimmt und sich diesen Tendenzen entgegenstemmt, wünsche ich besten Erfolg.”
Lutz Mükke, Message, 02.01.2006

“Sie hat ja mal kommen müssen, die Debatte um die Verlotterung der Sitten in diesem Berufsstand. Aber bitte führt sie nicht mit dem VDS, das lohnt wirklich nicht. Führt sie unter denen, die kapiert haben, dass der Sportjournalismus kein exterritoriales Gebiet ist, sondern ganz simplen Regeln zu folgen hat. Und die haben etwas mit Rückgrat und Haltung zu tun. Falls ihr dazu noch ein paar Argumente braucht, kann ich mit vielen Erfahrungen aus meiner früheren Zeit dienen.”
Josef-Otto Freudenreich, Stuttgarter Zeitung, 24.01.2006

“Journalism has been my profession for eighteen years. But untill a few years ago I could never imagine myself working as a sportsjournalist, because I was affraid it would destroy my reputation as an independent and critical journalist. Since then I have – as a sportsjournalist – discovered that we can do a lot to fight our bad reputation. By building strong networks between critical sportsjournalists around the world we can make a difference. Many of the major stories in sport has in recent years been disclosed by groups of sportsjournalists working together. Both national and international sport has always been infected by individuals and groups of people who behave as if sport, and the money and the power sport generates. where their own private property. If we as sportsjournalists turn the blind eye to these stories, we are no better than the most incompetent and corrupt sportsleaders. I hope the new sportnetzwerk in Germany will grow to be one of the most important players in the field.”
Lars Joergensen, Politiken, Dänemark, 03.01.2006

“Endlich auch Qualitätsdiskussion im Sportjournalismus. Und damit die Chance, einen Teufelskreis zu durchbrechen. Als Lehrende im sportjournalistischen Studium an der Universität Hamburg haben wir festgestellt, daß es immer schwieriger wurde, den Studierenden Qualitätsstandards eines aufgeklärten Sportjournalismus nachhaltig zu vermitteln. Allzu dominant war das Gegenbild – eine Berufspraxis, die so offensichtlich nach ganz anderen Regeln funktioniert. Und natürlich mussten für immer mehr Studierende Qualitätsstandards als primär ‘theoretische’ Ansprüche erscheinen, die mit der Praxis nur wenig zu tun haben. Ein Teufelskreis. Die ‘McDonaldisierung’ der Sportberichterstattung gebärt ihre Kinder und pflanzt sich fort. Auch schlechte Vorbilder werden, wenn sie so offenkundig beruflich erfolgreich sind, zu Maßstäben für einen Nachwuchs, der genau weiß, daß die Stellen rar sind. Die Hamburger Sportjournalistik begrüßt die Initiative und ist bereit, sich an der Qualitätsdiskussion zu beteiligen.”
Prof. Dr. Jürgen Lange; Dipl. Sportwiss. Jost Backhaus; Egon Boesten; Dr. Jens Große; Dipl. Sportwiss. Broder-Jürgen Trede; Hamburger Institut für Sportjournalistik, 07.02.2006

“Ein sportnetzwerk ist eine hervorragende Idee, die ein seit Jahren latent vorhandenes Vakuum füllen könnte. Ohne den VDS in tutto verdammen zu wollen, liegen Felder wie problemorientierte Fachkonferenzen, Rechercheschulung für junge Kollegen oder wirklich nutzbringende internationale Kooperationen in der Tat brach.”
Thorsten Jungholt, Welt am Sonntag, 14.12.2005

“Die Kraft, die jeder für sich hat, wird durch einen Verband wie den VDS verhindert oder zumindest erheblich vermindert, in jedem Fall nicht verstärkt. Wenn sich dann diese Kräfte in einem Netzwerk und in einer Richtung bündeln, kann jeder erahnen, wozu sie fähig sein können. Um im Sport zu bleiben: lasst uns diese innovative Trainingsmethode nutzen, um im Wettkampf richtig zulangen zu können. Je eher, je besser, je mehr, je überzeugender.”
Ralf Meutgens, Freier Journalist, 15.12.2005

“Wir haben uns lange mit ins kommerzialisierte und fremdgesteuerte Funktionärs-Boot gesetzt und diesen Kurs mitgehalten. Die wenigen kritischen Kollgen/Innen, die sich als distanzierte, aber wohlmeinende Wegbegleiter des Sports verstanden haben, sind nicht nur von Funktionären, sondern von den eigenen Kollegen als Nestbeschmutzer und Querulanten ohne Zeitgeist behandelt worden. Endlich ist gemeinsamer Widerstand angesagt: Es wird Zeit, dass wir über unsere Berufswelt und unser Berufsverständnis nachdenken und handeln,bevor wir gemeinsam auf Grund laufen. Danke für den Start des sportnetzwerkes. Ich bin dabei.”
Bianka Schreiber-Rietig, Freie Journalistin, 27.01.2006

“Ich begrüße Ihre Initiative und finde, dass sowohl der Sportjournalismus als auch die Sportwissenschaft von einer Kooperation hohen Nutzen haben würden. Ein Qualitätsjournalismus ist die Voraussetzung dafür, dass man ernsthaft über den modernen Sport nachdenken kann. Und eine unabhängige Reflexion über die neuen Entwicklungen des Sports ist die Voraussetzung für Maßstäbe und Einschätzungen, die von einer seriösen Berichterstattung erwartet werden können. Wir brauchen uns also gegenseitig. Mehr noch: auch der Sport und die Sportler brauchen uns, damit sie gegenüber den Ansprüchen des Geldes und eines maßlosen Publikums nicht allein gelassen werden. In diesem Sinne möchte ich Ihre Initiative gern unterstützen.”
Professor Gunter Gebauer, Freie Universität Berlin, 18.12.2005

“The stark reality is that we can no longer deliver top-class reporting without constant communication with our colleagues around the world. We knew little about what world sports leaders were doing in Africa, Latin-America and Asia until we made contacts with good reporters. Of recent years the beauty of email has our exchanges of information zapping around the globe. Our friend in Denmark Jens Sejer Andersen has created wonderful opportunities for networking and discussing journalistic questions. It is Play the Game. Hundreds of excellent reporters are registered there, happy to answer questions from foreign colleagues. The 2006 World Cup is a fantastic opportunity to be walking up to any and every foreign reporter in town, shaking hands, exchanging cards and having a beer. Maybe we should be organising meetings for reporters so we can meet and mingle in our own mixed zone. There is another worry for any journalist under the age of 60. As the internet removes newspaper advertising revenue and staff are slashed yet again ­where are they going to get work? Newspapers have a reduced longterm future. Only subscription magazines ­ printed or on line ­ with high-quality journalism and disclosure­ are going to be able to pay good wages. The cheap websites will be filled up with AP copy, paid for or stolen and re-written. The only journalists who are going to survive are the ones that can find original and creative stories and don’t rely on sports federation spindoctors and press releases.”
Andrew Jennings, England, Freelance Journalist and Author, 15.12.2005

“Wir haben jetzt schon, auf elektronischem Wege, eine Diskussion über unser Selbstverständnis, über unser Tun und Lassen, von einer Qualität, wie wir es im VDS nie erleben durften. Der Sportjournalismus in Deutschland ist am Boden, das müssen wir uns seit Jahren eingestehen, und es wird, so scheint es, immer schlimmer. Wenn wir ernst genommen werden wollen, müssen wir eine Trennung vornehmen.”
Herbert Fischer-Solms, Deutschlandfunk, 18.12.2005

“Vereine sind Interessenvertretungen. Wir wissen, dass sich etwa an der von den Sportredaktionen verantworteten Berichterstattung des Fernsehens nichts ändern wird, die Interessen, ein Unterhaltungsprodukt fernab der Realitäten zu verkaufen, sind viel zu stark, die Kollegen im Grunde PR-Leute, bessere und schlechtere darunter. Geht es um Inhalte, gibt es kaum noch Gemeinsamkeit. Der Versuch, sie unter dem Dach eines Vereins herzustellen, ist Verschwendung von Energie. Im sportnetzwerk bin ich gern dabei. Ich meine, dass nicht nur Kollegen, sondern auch Wissenschaftler einbezogen werden sollten und andere. Denn worum es neben Recherchequalität in Bezug auf Kritikwürdiges auch gehen sollte: ein weiterer Blick auf das, was Sport bedeuten kann, was er bietet an Möglichkeiten für soziale Integration etc. pp. Wir wissen das alle, theoretisch; aber wir vergessen es. Denn es sind die scheinbar weniger spannenden Geschichten. Die in einigen Mails geäußerte Befürchtung, so werde ein elitärer Zirkel konstituiert, der ausgrenzt, teile ich nicht. Ideologiefrei betrachtet ist Elite immer das Problem der Anderen. Und natürlich hat niemand etwas anderes im Sinn als ein offenes Netzwerk.”
Grit Hartmann, Freie Journalistin, 18.12.2005

“Die Idee, regelmäßige, sinnvolle Symposien über Probleme des Sportjournalismus abzuhalten, finde ich grundsätzlich gut, die Frage wäre aber, was genau es bringt. Wenn alle nur bestätigt bekommen, was sie ohnehin schon wissen, wie das bei Kongressen meist der Fall ist, wäre wenig gewonnen. Wichtiger fände ich, einen fruchtbaren Diskussionszusammenhang interessierter Leute zustande zu bringen, ohne dass es gleich zu groß, zu formell, zu offiziell wird.”
Matti Lieske, Berliner Zeitung, 18.12.2005

“Meine VDS-Mitgliedschaft ist für mich gedanklich schon Vergangenheit. An einem alternativen Projekt mit kritischen Kollegen, vielleicht sogar über Deutschland hinaus, bin ich sehr interessiert. Nicht nur als passives Mitglied. Dabei sollte es eine Grundvoraussetzung geben: Die Bereitschaft, sich ab und zu mal in Frage zu stellen.”
Anno Hecker, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2005

“Our recent International Sports Press Survey shows that sports journalism in Germany is – on a general note – very similar to that of the rest of the world: it presents a surprising disinterest in the political, financial and cultural aspects of sport. This in spite of the fact that sport affects our daily lives as well as national and international politics in a way that is unprecedented. Simultaneously, sport has become big business and – due to the once idealistic and independent nature of its organisations – a perfect breeding ground for many kinds of corruption. There is a lot of work to do for journalists, and Play the Game is happy to welcome and support any initiative, inside or outside the collegial associations – that can bring sports journalism closer to the ideals of being a watchdog for public interest rather than a smooth operator in the global entertainment industry. So we can only congratulate you with this endeavour and hope that many colleagues will join the network you suggest. From our side, we will be happy to share our experiences with you and give your future activities the backing and consultation services that you will find useful. Also, through our newsletter and knowledge bank, we will find it very interesting to include pieces of investigative sports journalism or relevant academic research that will eventually be the outcome of the German network.”
Jens Sejer Andersen, Dänemark, Director Play the Game, 15.12.2005

“Ich kann insbesondere nachvollziehen, wenn Print-Kollegen inzwischen längst einen großen ‘Graben’ zwischen ihnen und den ‘mitveranstaltenden’ Fernsehkollegen sehen. Als Fernsehkollege der ARD unterstütze ich Eure Initiative mit Nachdruck und hoffe, dass der ‘Graben’ schmaler wird. Und hoffe, dass die Fernsehverantwortlichen gerade nach der vielfach geäußerten öffentlichen Kritik an der Sportberichterstattung den Mut aufbringen, auch mal gegen den Strich zu bürsten.”
Hajo Seppelt, Rundfunk Berlin Brandenburg, 19.12.2005

“Zwar bin ich keine Sportjournalistin und auch kein VDS-Mitglied, aber Ihre Initiative hat mich doch einige Tage beschäftigt. Sie ist gut, wichtig und richtig. Ich versuche zu sagen, warum: Was die Sportjournalisten in ihrem täglichen Allerlei kaum noch realisieren ist die hohe Relevanz ihrer Arbeit. Der Sport ist nicht nur Metapher für eine Gesellschaft, in ihm entwirft sie sich auch. Nimmt man die Leipziger Fußballauslosung letzte Woche ernst, ist das Beckmann-Klum-Kreiseln ein Kreiseln um die totale Leere. Diese Leere geschieht ohne Not, zudem ohne Heiterkeit, Sinn, Substanz. Es ist pures Geschäft. Ihre Aktion besteht auf klaren Kriterien, Kritik und der unbedingten Wahrnehmung von Realität. Das ist das Gegenteil von dem, was grassiert. Und sie holt zurück, was in diesem verdorbenem Milieu preisgegeben ist: Leidenschaft. Was aus Ihrer Idee irgendwann einmal werden kann, geschieht – das wissen alle – nur im Konkreten. Es braucht einige wenige, die sie tragen und einen langen Atem. Sollte es auf diesem Weg einen Moment geben, wo ich von Nutzen sein kann, bin ich verbindlich dabei.”
Ines Geipel, Schriftstellerin, Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, Berlin, 19.12.2005

“Ich glaube auch, dass der Sportjournalismus an einer Wegscheide steht und damit Probleme früh lösen muss, die auf den Journalismus insgesamt zukommen. Es geht um Nähe und Distanz, um Stimmungsmache und Analyse, um die Scheidelinie zwischen Berichterstattung über… und Präsentation von… Gerade das Fernsehen, aber in Zukunft auch das Internet werden dabei immer stärker vor allem als Verwertungsplattform angesehen. Es scheint sich eine Trennung anzubahnen zwischen einer kritischen Haltung, die bei einer schmaler werdenden Schicht nachgefragt wird, und Event-Emotion, die für die Masse gedacht ist. Darum finde ich auch, dass es an der Zeit ist, dass sich alle, die für ersteres stehen, austauschen, beraten, Einfluss organisieren. Gut wäre es, wenn dies gelingen würde ohne Selbstbeweihräucherung und elitäre Isolation.”
Bernd Gäbler, eh. Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts, 19.12.2005

“Der Zustand des VDS spiegelt meiner Ansicht nach eine Krise des Sportjournalismus an sich wider. Wir sind auf allen Ebenen – bei weitem nicht nur in der Sparte Fernsehen – auf dem Weg zum Unterhaltungsressort, und selten ist das deutlicher zu Tage getreten als in der sich derzeit drehenden Spirale des WM-Wahnsinns. Widerstand wird immer schwerer. Das Ziel aller Unternehmungen muss es meiner Meinung nach sein, dass diejenigen, die Augen und Ohren in dem Job aufhalten und nicht die Hand, mehr werden. So sinnvoll wie eine Vernetzung Gleichgesinnter ist – die Schwelle, dazugehören zu wollen, darf nicht zu hoch sein. Neben der Print-TV-Front könnte noch ein zweiter Graben in den eigenen Reihen aufgerissen werden.”
Ralf Wiegand, Süddeutsche Zeitung, 19.12.2005

“Investigativer Journalismus ist gut, aber nicht die einzig akzeptable Form. Es gibt genügend Fans, so hoffe ich, die keine aufgeregten Marktschreier hören wollen, die sich auch für Sieger und Geschlagene interessieren, die nicht aus Deutschland kommen, die eine fachlich vernünftige Einordnung eines Fußballspiels erwarten, und nicht einen menschelnden Moderationsbrei, der alles und jeden einverleibt und alles sprachlich einölt, einebnet und einnebelt. Daß über so etwas mehr gesprochen wird, selbstverständlich auch über die Dopingabhängigkeit, ist gut und richtig. Mitunter bedarf es natürlich einer gewissen Courage, sich gegen den Mainstream des eigenen Systems Gehör zu verschaffen. Daß die Fernsehschaffenden von vielen schreibenden Kollegen inzwischen als eine eigene Spezies gesehen werden, ist verständlich. Aber die grundsätzliche Aufteilung zwischen Print-Journalisten und Rundfunk (Fernseh-)leuten halte ich für problematisch. Journalistische Kriterien sollten für alle gelten. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß auch innerhalb des VDS Stimmen wie die Ihre ein Forum erhalten.”
Stanley Schmidt, Rundfunk Berlin Brandenburg, 19.12.2005

“Wir sollten uns über Bild – und Selbstbild – des Sportjournalismus verständigen, der uns vorschwebt. Fakt ist: Die meisten Sportseiten (und viele Journalisten) leben von diesem ‘nur Sport’; die wenigsten können (und wollen) es sich leisten, beispielsweise einen Spezialisten für Sportpolitik oder Doping einzustellen. Ein anderer Fakt: Viele Journalisten – selbst wenn sie dies wollten – haben keine Zeit/nicht die Ressourcen, lange zu recherchieren: oder haben dies gar nicht gelernt (prima Betätigungsfeld übrigens für eine neue Organisation – durch Fortbildungen, Recherchepreis, Lobbyarbeit). Zu fragen wäre, ob dieser neue Bund ein Elite-Freundeskreis werden soll oder ob er Gäblers ‘besseren’ Sportjournalisten doch etwas weiter fassen möchte. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Wunsch nach Abgrenzung etwa zum Fernsehwesen, wenn es als Box-Promoter, Tour-Sponsor oder Produktionskostenkassierer auftritt, ist für mich vollkommen nachvollziehbar.”
Dirk Schmidtke, Freier Journalist, 19.12.2005

“Es handelt sich hier keineswegs um etwas Elitäres. Spätestens seit der Diskussion um Eliteuniversitäten habe ich auch etwas gegen das Wort Elite. Es geht ausschließlich um einen besseren Sportjournalismus: Einen, der auch abseits der Ereignisberichterstattung seine Aufgabe erfüllt: Niemand von uns hat etwas gegen 1:0-Berichterstattung einzuwenden, da sie zu unserem Beruf gehört! Doch gibt es daneben noch viel, viel mehr, was unseren Job ausmacht, vor allem ausmachen sollte. Vor allem junge Kollegen sollten rechtzeitig mitbekommen, dass Sport aus mehr besteht als das, was vielerorts vorgeschrieben wird.”
Frank Mertens, Netzeitung, 20.12.2005

“Die Lage des Sportjournalismus in Deutschland, das macht unser Austausch deutlich, ist bedauernswert, und alle wissen es. Ich bin sehr dafür, daß wir in der Tretmühle nicht immer noch schneller hinter den Terminen her rennen, sondern (uns) auch mal fragen, was wir da eigentlich treiben. Die Anmerkungen von Play the Game beschreiben einen Teil des Dilemmas: Die Vielfalt des Sports und auch seine vielen Dimensionen finden kaum ihren Platz in der Sportberichterstattung. Kongresse und Newsletter, Netzwerk und Nachwuchsförderung haben meine Unterstützung.”
Michael Reinsch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2005

“Um journalistische Power zu erzeugen, aus gemeinsamen Idealen möglichst verbindliche Standards zu machen und um sich auch gegenseitig dabei zu unterstützen, kann ich nur gutheißen, was da in Ihren Köpfen dräut, nämlich ein sportnetzwerk gemeinsamer Aktivitäten und gegenseitigen Informationsaustauschs auf die Beine zu stellen. Ich beobachte das – nicht nur aus der wissenschaftlichen Sicht, sehr interessiert – und kann nur wünschen, dass alles so funktioniert, wie Sie sich das vorstellen. Vielleicht schaffen Sie es ja, ein wirkliches Netzwerk, zumindest für journalistisch engagierten Sportmedienleute, zu organisieren; beispielhaft für andere, um zu zeigen, was man eigentlich machen kann (wenn man wirklich will).”
Professor Johannes Ludwig, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, 21.12.2005

“Ihre Initiative ist äußerst begrüßenswert. Eine unabhängige, kritische und selbstkritische Eigenvertretung des deutschen Sportjournalismus ist heute dringender denn je. Seit diesem Wintersemester werden an meinem Institut Studierende zum Bachelor Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpublizistik ausgebildet. Ich bin dabei eine Kooperation mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen eingegangen und allein mit Blick auf diese Studierenden und im Wissen um die problematische Situation des Sportjournalismus scheint mir Ihr Anliegen von höchster Relevanz zu sein.”
Professor Helmut Digel, Universität Tübingen, Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, 23.12.2005

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  1. Nov 2, 2009: “Leitlinien des Sportjournalismus” : jens weinreich

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