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die qualitätsoffensive im sportjournalismus

16. Februar 2008

Die Inszenierung der Medienwirklichkeit

Propaganda und Demokratie – das muss kein Widerspruch sein, erst recht nicht in der Sportpolitik. Grit Hartmann skizzierte das Bild eines Systems, das zum Zwecke der Selbsterhaltung tarnt, täuscht und trickst. Und wie schnell Journalisten ihm auf den Leim gehen können.

hartmann-vortrag-15022008.jpgÜber die stabilisierende Funktion von Propaganda für Diktaturen weiß Grit Hartmann einiges zu berichten. Die freie Journalistin aus Leipzig hat Ende 2007 mehrere Wochen in China verbracht und sich dabei ein Bild von den Tarnmanövern machen können, mit denen die kommunistischen Machthaber die dunklen Flecke ihrer Herrschaft im Schatten der Olympischen Spiele zu verbergen suchen. Der Umkehrschluss, dass sich Demokratie und Propaganda gegenseitig ausschlössen, sei jedoch Hartmann zufolge nichts weiter als ein Trugschluss. Auch in demokratischen Gesellschaften werde sich propagandistischer Mittel bedient, um von Krisen und Fehlleistungen abzulenken und eine zweite, eine Schein-Wirklichkeit zu erzeugen.

Geldmaschine Sport

Der Spitzensport sei von diesem Virus in besonderer Weise befallen, so Hartmanns Befund. Die „beste deutsche Sportjournalistin“ (Herbert Fischer-Solms) machte hierfür sowohl das System als auch den Charakter des Sports verantwortlich: „Der Sport soll die Geldmaschine bleiben, die er ist, deshalb muss er sich verkaufen lassen. Und dazu bedient er sich der Symbole, die man für gewöhnlich mit dem Sport assoziiert. Diese Tugenden, wie Fair Play und Sportsgeist, sind im modernen Spitzensport längst obsolet geworden, doch die Propaganda bedient sich ihrer noch immer.“

Anti-Doping-Gesetz

Exemplarisch führte Hartmann das im Juli 2007 vom Bundestag verabschiedete Anti-Doping-Gesetz an. Dieses sei als durchschlagender Erfolg im Kampf gegen Doping deklariert worden, „dabei ist es nur ein geändertes Arzneimittel-Gesetz.“ In fast allen Medien kam die Propaganda-Absicht der Sportpolitik jedoch als demokratischer Akt daher, so Hartmanns Vorwurf. „Es hat vier Monate gebraucht, bis die Journalisten gemerkt haben, dass das Gesetz nichts an der Autonomie des Systems geändert hat.“ Bis zu dieser Erkenntnis sei man auf die für Propaganda so typischen „Fanfarenstöße“ der Funktionäre hereingefallen, im konkreten Fall auf die Äußerungen des Sportausschuss-Vorsitzenden des Bundestags, Peter Dankert (SPD). Die Widersprüche hätten sich jedoch spätestens mit dem Zaudern des Bundesinnenministeriums offenbart, als es darum ging, die finanziellen Mittel für die Doping-Bekämpfung zu erhöhen.

Verschweigen von Verflechtungen

Zur Propagandaleistung der deutschen Sportpolitik zählte Hartmann auch das Verschweigen der wirtschaftlichen Verflechtungen des DOSB -Präsidenten Thomas Bach sowie die „Vorherrschaft der Codes“ in Pressemitteilungen des Verbandes. „In keinem einzigen Doping-Fall hat der DOSB zur Aufklärung beigetragen“, kritisierte Hartmann. Das System vertraue „auf die Naivität, das Vergessen sowie die Neigung zur Kumpanei.“ Die Bemerkung, dass damit die Medien gemeint waren, erübrigt sich fast.

Misstrauensschwellen errichten

Die Anfälligkeit des Journalismus für Propaganda offenbare sich auch im Hinblick auf die Wirtschaft. Wobei es sich laut Hartmann hier weniger um Propaganda als vielmehr um Marketing handele, welches die Medien zu oft mit der Realität verwechselten. Mit Blick auf das Unbehagen, das viele Chinesen angesichts überdimensionaler Plakate von Adidas und anderen Olympia-Geldgebern in Peking befällt, bemerkte Hartmann, dass „die Interessen der großen Sponsoren in China in deutschen Medien bislang kaum stattfinden.“

Propaganda könne bekämpft werden, so Hartmann, aber nur „durch das Errichten von Misstrauensschwellen sowie das Wissen um die Wirklichkeit und die Interessenlagen der Beteiligten.“

  • Vortrag von Grit Hartmann
  • Biografie von Grit Hartmann

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  1. Feb 21, 2008: Die Propagandamaschine : sportnetzwerk

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